En mémoire

Portal für den Gottesdienst am Ewigkeitssonntag 2015 in der Stiftskirche Windecken

Zum Hintergrund: Die Ethikerin  Petra Grimm kritisiert die Veröffentlichung von Fotos, Namen und Tags der Menschen, die den terroristischen Anschlägen in Paris am 13. November 2015 zum Opfer gefallen sind, unter @parisvictims. Der Account trägt den ‚Klarnamen‘ En mémoire. Binnen kurzer Zeit folgen über 56 500 Menschen den Einträgen.

En mémoire.

Zum Gedenken.

Dazu sind Viele heute hier.

Um sich eines Menschen,

unserer Toten,

zu erinnern.

Bilder steigen vor dem inneren Auge auf.

 

En mémoire – zum Gedenken.

Manche sind auch da, weil es sich so ziemt.

Es sich so gehört.

Weil Rituale halten,

auch wenn Du vielleicht gar nicht weißt,

was das alles für Dich bedeutet.

Über den Tod zu denken,

angesichts des Lebens.

 

En mémoire – zum Gedenken.

Bilder von Toten.

Eines aus dem Urlaub vielleicht oder eine Szene vom letzten Geburtstag.

Und Namen.

[An dieser Stelle nenne ich drei zufällig ausgesuchte Namen aus den Nachrichten von @parisvictims]. Und viele andere.

Und wir hören auch die Namen unserer Toten.

Und drei Eigenschaften – so, wie man sich heute eben vorstellt:

Spielt Gitarre. Wollte Journalist werden. Großer Fan von U2.

Oder:

Lehrerin. Tangotänzerin. Eine Schülerin sagte, sie sei eine außergewöhnliche Frau gewesen.

Und uns fallen die Eigenschaften derer ein, die wir betrauern. Und was wir über sie sagten. Und was andere sagen.

Mit jedem Menschen stirbt eine ganze Welt.

Solche Bilder: Urlaubsfoto, Name, Eigenschaften verbreiten sich gerade allüberall.

Darf man das? Soll man das? Ja, muss man das?

Mir geht es so, dass mir diese Bilder nahegehen.

Dass es für mich keine Rolle spielt, ob sie stimmen. Ob Nahestehende das auch so sagen würden.

Oder ganz anderes.

Mir gehen sie nahe, weil ich sehe: Mit jedem Menschen stirbt eine ganze Welt.

Mit jedem.

Egal, ob er viele Angehörige hatte oder eher allein war.

Ob er gemocht und geschätzt war oder wirklich ein schwieriger Zeitgenosse. Oder Beides.

Ob sie jung und vor der Zeit starb oder jemand ganz betagt war. Ob er mitten und plötzlich aus dem Leben gerissen wurde, durch ein Gewaltverbrechen oder Terror, oder einer unserer Nächsten und Liebsten ist. Oder Beides.

Mit jedem Menschen stirbt eine Welt.

Und –

Ein Stück von mir stirbt dann auch.

Große Räume.

Wie Gottes Zeit darin spielt – dazu handelt der Predigttext aus dem zweiten Petrusbrief im dritten Kapitel.

(Danach folgt die ursprünglich vorgesehene Predigt zum Ewigkeitssonntag).

 

 

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