Der Berufung würdig sein und wahrhaftig in der Liebe (Eph 4, 1.15)

Weshalb die Abschaffung der Frauenordination in der evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands mehr erfordert als Gendersensibilität

 

Entsetzen und Fassungslosigkeit tummeln sich in meiner Filterblase. Dabei ist nur geschehen, was doch als sehr wahrscheinlich galt: Die evangelisch-lutherische Kirche Lettlands hat am vergangenen Freitag die Ordination von Frauen in ihrer Kirche für zukünftig unzulässig erklärt. Nun gibt es eine Reihe lutherischer Kirchen, die Frauen nicht ordinieren. Das Besondere an der aktuellen Entscheidung ist, dass eine in Praxis, die in der Vergangenheit wenn nicht üblich, so doch möglich war, nun rückabgewickelt wird. Ordination ist ein Bischofsrecht. So lag es in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend in der freien Entscheidung des jeweiligen Bischofs, ob er Frauen ordiniert oder nicht. Und dies ist seit 1993 in Lettland nicht mehr geschehen. Lettische Theologinnen, die ein geistliches Amt anstrebten, mussten dafür ins Ausland gehen. Nach Angaben des Gustav-Adolf-Werkes arbeiten derzeit zwei Pfarrerinnen in Lettland.

 

 

Besonnen ist, in dieser Frage die seit alters ausgetauschten Argumente nicht erneut aufzurollen – denn dass die lettische Kirche aufgrund ihrer besonderen Geschichte überwiegend mit einer Bibelhermeneutik hantiert, die mitteleuropäischen
Standards nicht standhält, ist bekannt und zeigt sich auch in der Diskussion anderer Fragen. aktuell_071028_ordin_segnMehr als 70% der Synodalen (die Angaben schwanken zwischen knapp 72 und knapp 78 Prozent) haben – intern folgerichtig – der formalen Abschaffung
der Frauenordination zugestimmt. Im Vergleich zu früheren Abstimmungen (freilich nicht in synodalem Kontext) zu dieser Frage in Lettland ist das ein eindeutiges Ergebnis.

 

 

Zeigen sich in dieser Entscheidung Tendenzen deutlicher, die sich in anderen Kirchen bislang erst andeuten? Diese Vermutung steht seit der Entscheidung am vergangenen Wochenende mehr oder minder vage im Raum.

 

Auf der Ebene der Pfarrerinnen (und zunehmend auch Pfarrer) der deutschen Landeskirchen sind die Reaktionen recht unmittelbar zu greifen, etwa durch Solidaritätsadressen an die Vorsitzende des Verbandes Lettischer Lutherischer Theologinnen, Rudite Losane, Lenkung öffentlicher Aufmerksamkeit durch Fotoaktionen, die Pfarrerinnen in Amtstracht zeigen und Abkündigungen in den Sonntagsgottesdiensten. Und Manche/r, der mir schreibt, ist von dieser Deutlichkeit auch überrascht. Es scheint ganz so, als hallte der Vortrag von Kübra Gümüsay auf der diesjährigen resPublica noch gehörig nach.

 

Rudite Losane wird auf der Internetseite des Gustav-Adolf-Werkes am 2. Juni mit den folgenden Worten zitiert: „Die Ablehnung der Frauenordination in Lettland bedeutet einen riesigen Verlust, den die jetzige Kirchenleitung nicht wahrnehmen will. In einer Situation des Pastorenmangels wird in Lettland der Synodenbeschluss vorbereitet, Männer mit einer geringeren theologischen und allgemeinen Bildung zur Ordination zuzulassen, statt die ordinierten Frauen aus dem Ausland (Anm.: aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands im Ausland) nach Lettland zu rufen bzw. Frauen zu ordinieren, die seit Jahren als Evangelistinnen in Lettland tätig sind … Frauen, die ihren Beruf nach 1993 weiterhin ausübten, wurden unter Druck gesetzt.“ 1993 wurde der jetzige lettische Bischof eingeführt. Leitungspositionen zu stärken, hatten sich die evangelischen Kirchen nach den Erfahrungen des Faschismus im 20. Jahrhundert zur Aufgabe gemacht, um im Bedrohungsfall unmittelbarer handlungsfähig zu sein und organisational nicht so leicht zerschlagen werden zu können. Das aktuelle Beispiel zeigt auch, wohin das führen kann, wenn ein auf Lebenszeit (!) eingeführter Bischof in Fragen, die nachweislich als strittig angesehen werden können, eine Position durchsetzt bzw. Ämter aufgrund von Positionierungen besetzt werden.

 

Geistliche jeder Provenienz in Lettland berufen sich in ihren Entscheidungen auf die Erfahrungen der Sowjetzeit. Kirchen im Westen Deutschlands verstehen sich als Bündnispartner zur Stärkung demokratischer Kräfte und Willensbildungsprozesse. Wie man systematisch mit dem unterschiedlichen Einfluss, den dies auf die offensichtlich „großen“ strittigen Fragen der Kirchen wie die Ordination von Frauen, der Umgang mit als deviant erlebten Lebensformen sowie der Bibelhermeneutik umgeht, scheint weitgehend offen. Dieser Eindruck verstärkt sich dadurch, dass die lettische Kirche bislang mit stabilen Beziehungen in den deutschsprachigen Raum lebte. Ein großer Teil der Geistlichen stammte in der Vergangenheit aus Deutschland. Insbesondere die Nordkirche pflegt bis dato intensive Kontakte nach Lettland. Im offiziellen Grußwort, das am vergangenen Samstag im Rahmen der Synode nicht vorgetragen werden durfte, heißt es: „Diese Rücknahme der Frauenordination würde die Einheit der Kirche Jesu Christi stärker beeinträchtigen als die Tatsache, dass eine Kirche Frauen noch nicht ordiniert. Wir spüren, dass dieser Schritt auch den Geist und das Wesen Ihrer Kirche verändern würde. Weitere Trennungen könnten folgen. Die Liebe wird leiden, Streit könnte beginnen. Auch die Kirchengemeinschaft im Lutherischen Weltbund würde dadurch ernsthaft geschwächt werden. Ein Jahr vor dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation stimmt uns insbesondere das traurig. Sie wissen, dass damit auch die Grundlage unserer Partnerschaft berührt werden wird.“ Das Statement zeigt, wie gut es sein kann, wenn Kirchen kritische Partner an ihrer Seite wissen.

 

Die deutlichen Gegenreaktionen zur Synodalentscheidung in den deutschen Kirchen sind zum Teil in den gewachsenen Beziehungen der Kirchen begründet sowie in ihrer räumlichen sowie empfundenen kulturellen Nähe. So galt in Lettland auch bislang der Umstand, dass man mit deutlich ablehnenden Reaktionen seitens der „liberalen lutherischen Kirchen“ rechnen müsse, als ein Hauptargument, das gegen ein offizielles Verbot der Frauenordination herangezogen wurde.

 

Nun lässt sich fragen, was genau die Synode zum jetzigen Zeitpunkt bewogen hat, dieses Gegenargument als nicht mehr stichhaltig zu bewerten. Verhält es sich so, wie manche vermuten, dass die lettische Kirche auf finanzielle Unterstützung aus traditionell konservativ-lutherischen Kirchen angewiesen ist? Oder beobachtet sie insgesamt einen Wandel im konfessionellen Klima, den wir bislang nur teilweise wahrnehmen? Diese These stößt auf auffallend viel Resonanz. Die Landeskirchen haben in der Vergangenheit gut daran getan, viel Mühe darauf zu verwenden, unterschiedliche Frömmigkeitsrichtungen ihrer Konfession institutionell zu integrieren. Damit wurde auch denen ein Schutzraum geboten, die sich an den Rändern der jeweiligen landeskirchlichen Kultur bewegten. Freilich handelt es sich in jede Richtung auch um einen Spielraum, den viele konstruktiv nutzen, um die theologische Lehre unter gegenwärtigen Bedingungen weiterzuentwickeln. Angesichts des latent zustimmenden Zungenschlags, dessen sich ein kirchliches Publikationsorgan, das zu einem maßgeblichen Teil aus EKD-Mitteln finanziert wird (immer wieder dies), offensichtlich bedienen darf, wird man aber doch fragen müssen, ob sich unter dem Schutzmantel der institutionalisierten Kirchen nicht auch Strömungen verfestigen, deren Theologien hinter maßgeblichen Einsichten gegenwärtiger Schriftauslegung und Lehrbildung zurückbleiben. Eine Kollegin sagt sinngemäß dazu: „Machen wir nicht etwas salonfähig, was schlicht nicht salonfähig ist?“ Freilich, die hohe Integrationsfähigkeit der Kirchen ist ein Ausweis ihrer Toleranz. Zugleich hat die evangelische Theologie die individuelle Abweichung in Ableitungen aus Lehrfragen immer (und ausschließlich!) mit dem Hinweis auf den Gewissensvorbehalt begründet. Konsequenterweise müsste demnach ein Bischof, der zu der eigenen Einsicht gekommen ist, keine Frauen ordinieren zu können, jemanden anders damit beauftragen. Tut er dies nicht, sondern macht seine Position quasi (mit hoher Resonanz seiner Synode) zum Gegenstand einer Rechtsentscheidung, stellt er damit den bisherigen Kosens der lutherischen Kirchengemeinschaft auf den Prüfstand und in dieser Frage in Abrede. Darin liegt ein zentraler kirchentheoretischer Anstoß der lettischen Entscheidung. Nur am Rande sei bemerkt, dass die lutherische Kirche in Lettland auch in material verstandener apostolischer Sukzession steht und sich dadurch die Fragestellung (intern für die lutherische Kirchengemeinschaft) noch einmal verschärfen dürfte.

 

Zugleich gibt es eine pastoraltheologische Dimension der Entscheidung, die m.E. der Hauptgrund für die deutlichen Reaktionen aus Deutschland ist. In Deutschland sind in den letzten Jahren die Jahrestage der Einführung der Frauenordination in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts feierlich und oft mit großem Aufwand begangen worden bzw. stehen unmittelbar an. Übrigens feierten auch die lettischen Theologinnen im vergangenen Jahr den 40. Jahrestag der ersten Frauenordination in ihrem Land. Damals wurden drei Absolventinnen ordiniert; in der Folgezeit bis 1990 dann noch fünf weitere Frauen, die das Seminar der lettischen Kirche erfolgreich abgeschlossen hatten. Die Kirchen haben sich mit der Erinnerungsarbeit, Gedenkfeiern sowie eindrücklicher Gottesdienste einschneidender hermeneutischer und kirchentheoretischer Entscheidungen der jüngeren Kirchengeschichte vergewissert. Allermeist lebten noch „Zeitzeuginnen“. Kirche wird in ihrer Veränderungsfähigkeit konkret greifbar.  Vielen Theologinnen, auch bereits meiner Generation, war nur mittelbar bewusst, auf welchen Errungenschaft unsere Amtsausübung ruht. Friedrich Wilhelm Grafs These der „Feminisierung der Pfarramts“ rief überwiegend Empörung hervor (in Auszügen zitiert hier), und zwar weniger in Bezug auf seine grundsätzliche Beobachtung als im Blick auf die dadurch fortgeschriebenen Klischees und Rollenbilder.aktuell_071028_ordin_r1

 

Auffällig ist ja, dass Graf – mal unabhängig von der Argumentation mit der „Feminisierung“ – eine Professionalisierung des Pfarrberufs intendiert. Evangelische Volksreligiosität lehnt aber gerade dies ab: Ihr ist – cum grano salis – weniger an der akademischen, lehrenden Pfarrperson gelegen als an einer präsenten Person, die „für das Tun des Guten“ steht und ihr hohes Maß an soft skills präsent zur Geltung bringt – und zwar überwiegend genau dort, wo ich selbst bzw. mein eigenes Milieu sich aufzuhalten pflegt. Denn so wird dem Sichtbarkeit verliehen, dass das diakonische Handeln der Kirchen gesamtgesellschaftlich gesehen die meiste Resonanz erzeugt. Schlicht gesagt: Menschen finden an der Kirche gut, dass sie Gutes tut. Und das soll man sehen. Das hält Graf (zurecht!) für unterbestimmt und verbindet es mit einem bestimmten Rollenmodell. Denn eine faktische Verschiebung der pfarramtlichen Aufgaben von der Lehre und ihrer Repräsentation hin zu Tätigkeiten, die sozialer oder im weitesten Sinne gesellschaftlicher Natur sind, ist für die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts unbestreitbar nachzuvollziehen. Freilich sollte man keinen Konnex zu der Tatsache aufmachen, dass dies mit der Amtsausübung von Frauen zu tun habe. Woran aber etwas ist, ist der Umstand, dass dies so wahrgenommen wird! Gemeinden nehmen das pfarramtliche Handeln von Frauen und Männern unterschiedlich wahr und tragen ihre tradierten Rollenmuster dahinein ein. Dabei verliert sich die individuelle Wahrnehmung, so dass die gemeindliche (gelegentlich auch kirchenleitende) Resonanz für diejenigen kritisch werden kann, die den Rollenmustern nicht oder weniger entsprechen. Nicht jede Nische, in die sie dann wandern, ist gut. Und nur am Rande bemerkt: Die evangelisch-theologische Fakultät in Riga wird derzeit von einer Frau repräsentiert. Dr. Dace Balode hat in der Schweiz studiert und in Estland promoviert. Allerdings ist die akademische Qualifikation der Neutestamentlerin aus Sicht der lettischen Kirche nicht hinreichend für ein kirchliches Amt.

 

Ich meine, dass es bei dieser Frage tatsächlich weniger um Biologie (so eher zynische Kommentare dieser Tage) als um Rollen geht. Wer Diversität im Pfarramt ablehnt, unterschreitet nicht nur die gesellschaftliche Komplexität und die theologisch dringend nötige vielfältige Sprach- und Lebenskompetenz der Kirchen, sondern sehnt sich nach Klarheit und Einheitlichkeit in einer Weise, die heute nicht zur Darstellung zu bringen ist. Das ist ganz nah an politischen Bestrebungen, die die Verfahrensbedingungen der Diversität, nämlich die demokratische Beteiligung zurückdrängen.

 

Wir können und sollten mit gebotenen Mitteln zum Ausdruck bringen, wie wir uns zur Entscheidung der lettischen Synode verhalten. Das ist ein überlebenswichtiges Signal der Solidarität an die Pfarrer und (wenigen) Pfarrerinnen Lettlands. Mutmaßlich wird es wenig ändern. Es steht aber zu befürchten, dass die demographischen Entwicklungen in Deutschland zu einer weiteren und möglicherweise auch deutlichen theologischen Fundamentalisierung innerhalb unserer Kirchen führen. Spuren davon gibt es an vielen Ort und viele Pfarrer und Pfarrerinnen können davon berichten. Natürlich gibt es Gemeindeglieder, die sich lieber einen Pfarrer als eine Pfarrerin wünschen. Weil der „Herr Pfarrer“ doch eben für die „geordnete Welt“ steht. Natürlich gibt es die, die es für ein emanzipatorisches Statement halten, wenn sie betont darauf hinweisen, dass „heute mal ‚nur Pfarrerinnen’ den Gottesdienst geleitet hätten“. Natürlich gibt es die, die Rollenzuschreibungen vereinnahmen und das vermeintliche „best of both worlds“ für sich wollen. Natürlich gibt es die, die innerlich tief durchatmen, wenn eine Landeskirche sich deutlich zur Flüchtlingsfrage, zum assistierten Suizid, zur Segnung Homosexueller oder zum Thema Fluglärm äußert. „Dabei muss die Kirche doch endlich mal Stellung beziehen!“ Die Kirche bleibt notwendig in dieser Konfliktlage verstrickt und traut doch ihrer Kraft einer unabhängigen Willensbildung recht wenig.

 

Verstärkt wird der Umstand dadurch, dass jede und jeder dazu tendiert, an eher Ähnliches in der Kirche anzuschließen: Man sucht – operativ ja auch vernünftig und ressourcenbewusst – eher die Zusammenarbeit mit denjenigen, die etwas am Eigenen teilen. So ist etwa die jetzige Entscheidungslage in Lettland für Experimentelle vor allem auch deshalb anstößig, weil die kirchliche Welt als eine, in der unter guten Bedingungen im Prinzip erstmal alles, was theologisch richtig ist, auch möglich ist, wahrgenommen wird. Aber sollten wir nicht gerade in normativen Fragen die Auseinandersetzung suchen, um zu weiterreichenden Klärungen zu gelangen?

 

Wir müssen – bei vielen Fragen im Detail – um der Handlungs- und Diskursfähigkeit der Kirchen willen dringlich darüber sprechen, welche Theologien unsere Kirchen in Zukunft im Grundsatz steuern sollen, damit sie ihrem volkskirchlichen Anspruch und Auftrag (weiterhin) gerecht werden und nach außen hin handlungsfähig bleiben; selbst dann, wenn die Aushandlungsprozesse selbst unter Druck geraten.

 

 

 

Fotos: Redaktion medio/ Kassel (Ordination 2007 in Homberg/ Efze und 2013 in Frankenberg/ Eder). 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Der Berufung würdig sein und wahrhaftig in der Liebe (Eph 4, 1.15)

  1. Die Argumentation hinkt an einem Punkt kräftigst: es handelt sich hier nun gerade nicht um die einsame Entscheidung eines Kirchenfürsten, sondern um die Entscheidung einer Synode mit annähernd 3/4 Zustimmung. Wer, wenn nicht eine gewählte Synode, soll denn dann darüber entscheiden dürfen, welche Struktur und Regeln sich eine Kirche gibt, welche Menschen sie in ihren Dienst beruft?
    Nun unterliegen Synoden prinzipiell dem Urteil Luthers über die Konzilien („können irren und haben schon geirrt“), das gilt aber nicht nur für Entscheidungen, die unseren Überzeugungen zuwider gehen.

    Wie wäre es denn auch seitens des „aufgeklärten Westens“ mit ein bißchen mehr Demut?
    Als sich Luther und Zwingli 1529 in Marburg trennten, hatten sie nicht qua epistola sterile Statements abgegeben, sondern in engagierten Diskussionen um den rechten Weg gerungen. Dennoch war in einem von 15 Hauptpunkten keine Einigung erreicht worden: der Frage der Präsenz Christi in den Elementen des Abendmahls.
    Sie haben diesen Dissens niedergelegt im XV. Marburger Artikel, der – auch wenn er schon damals nicht befolgt wurde und keiner um die eigene Erleuchtung gebetet hat, sondern immer und mit Vorliebe für die Erleuchtung des Anderen – sich als Vorbild für den Umgang mit theologischen Dissensen geradezu aufdrängt.

    Gefällt mir

    1. Mir geht es nicht um kulturimperialistische Habitus, sondern – so habe ich es versucht, am Ende darzulegen – um einen, wohl überfälligen, Diskurs. Um zu verdeutlichen, was ich meine, bemühe ich Ihren Vergleich: Luther und Zwingli haben versucht, sich zu einigen. Sie gingen von unterschiedlichen philosophischen Grundannahmen aus, von denen wir heute wissen, dass sie inkommensurabel sind. Die dreiwertige Logik war noch nicht erdacht. Deshalb konnten sie sich, redlicherweise betrachtet, in der Abendmahlsfrage gar nicht einigen. In der derzeitigen Diskussionslage geht es um eine hermeneutische Frage, die offensichtlich (derzeit) verschiedene Antworten zulässt. Meines Erachtens entbindet das nicht vom Diskurs, wenn man die Gemeinschaft der Kirchen nicht aufs Spiel setzen will. Und was den Status synodaler Entscheidungen angeht, ist in den letzten Tagen/ Wochen viel Erhellendes gesagt worden, was die Kontextbedingungen angeht, etwa hier: http://www.evangelisch.de/inhalte/135348/10-06-2016/frauenordination-lettland-analyse-von-dace-balode

      Gefällt mir

      1. „Die Gemeinschaft der Kirchen aufs Spiel setzen“. Das hab ich ein paarmal zu oft gehört in den letzten anderthalb Jahren. In umgekehrter Richtung: als Warnung an die EPUdF, die darüber diskutierte, die Segnung gleichgeschlechtlicher Ehepaare zu erlauben – und die Synode hat es gegen die Ansicht der weiten Mehrheit der Gemeindeglieder, der Gemeinderäte und Regionalsynoden ermöglicht. Mit der Folge, dass die – teilweise deutlich mitgliederstärkeren – Partner der FPF die weitere Zusammenarbeit in Frage stellen und der panevangelische Kirchentag 2017 in Lyon abgesagt wurde.
        Die Frage der Realpräsenz ist durchaus eine hermeneutische: „estin“, ist es „est“ (Luther) oder „significat“ (Zwingli)?
        Und dessen unabhängig: haben Sie den XV. Marburger Artikel gelesen? Er enthebt nicht des Gesprächs, auch nicht des gegenseitigen Respekts (wer möchte sagen wie Paulus, „das habe ich nicht von mir, sondern vom Herrn“?), aber verbietet meiner Ansicht nach das sterile Reden über den Kopf des anderen hinweg.
        Haben Sie den Bischof angeschrieben?
        Haben Sie die Möglichkeit in Betracht gezogen, selbst auf dem falschen Weg zu sein?

        Geschwisterliche Grüße mit Ps.139,23f.

        Gefällt mir

    2. Selbstverständlich beides – gelesen und geschrieben. Das versteht sich von selbst. Und selbst schon Entscheidungen mit kirchentrennender Wirkung maßgeblich mitgetroffen. Ich kann also Ihre Sorge entkräften, dass sich hier jd äußert, die nicht wüsste, um was es geht. Ich habe nicht den Eindruck, dass ein Rekurs auf die Wahrheitsfrage in dieser Diskussion wirklich weiterhülfe, da es da in der hermeneutischen Diskussion allzu große Ungleichzeitigkeit in und zwischen den Kirchen gibt.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s