Von der Weihnachtsahnung, furchtlos zu leben

Portal für das Krippenspiel „für Größere“ am 24. Dezember 2016 in der Stiftskirche Windecken

 

Freie Wahl

Fürchtet Euch nicht! ist der Satz dieser Tage. Keine Worte werden in den letzten Stunden mehr geteilt als diese. Es sind Worte gegen die großen Buchstaben der Angst.

Dieser Satz spricht die Sehnsucht an:

Wenn Du ganz frei wählen könntest,

ob Du ein Leben führst, in dem nicht die Angst reagiert – nicht die Angst vor morgen, um die Zukunft Deiner Kinder, vor Krankheit, Alter, Leere, fehlender Tätigkeit, Sterben und vor dem, was andere hinter Deinem Rücken sagen,

oder ob Du ein Leben führst, in dem Dich all dies bannt und gefangen nimmt,

dann würden wohl alle ein Leben ohne diese Angst wählen, die sich hinter all den unzähligen kleinen Ängsten versteckt.

Weil wir Momente im Leben kennen, in denen wir ahnen, wie das wäre. Leben ohne Angst. Und wie es sich anfühlt.

 

Es ist nicht, wie es scheint I: Die Sprache

Fürchte Dich nicht! ist kein Aufruf. Das wäre nämlich ein sinnloser Satz. Wir verändern ja unsere Haltungen, Einstellungen und Gefühle nicht, weil jemand uns das befiehlt, oder uns dauernd drängelt und damit nervt.

 

Fürchte Dich nicht! sagt vielmehr etwas über den, der es sagt. Nicht zuerst über den, der es hört. Ich bin in diesen Tagen oft zum Thema Weihnachtspredigten interviewt worden. Und wenn es mir ein Anliegen sein darf, dann möchte ich, dass Sie neben und vor allem in den schönen Bildern des Krippenspiels und der wundervollen Musik in dieser Kirche, diesen einen Gedanken mitnehmen:

 

Fürchte Dich nicht! ist ein Satz über den, der ihn sagt. Er sagt nämlich: Ich bin da. Ich spreche mit Dir. Ich sehe Dich. Ich sehe auch Deine Angst. Und ich bin da. „Weihnachten ist ein Aufbruch gegen das Tabu in der Gesellschaft, dass man eigentlich sich gar nicht mehr so richtig freuen kann.“ (Stephan Wahle im Interview mit dem Deutschlandfunk, 23.12.2016)

 

Es ist nicht, wie es scheint II: Die Theologie

Fürchte Dich nicht! ist ein Zitat aus der Weihnachtsgeschichte. Es ist eine Geschichte, die wir alle kennen. Ich sage so etwas eigentlich nie, weil es kaum noch Stories gibt, die Menschen in unserer Welt verbinden. Die Weihnachtsgeschichte aber ist eine solche. Und mich rührt es an, dass es doch so etwas gibt: Worte, die uns verbinden. Und obwohl wir alle diese Geschichte kennen, hören wir sie heute alle gemeinsam an. Wieder und wieder und wieder im Leben. Weil diese Geschichte nichts von Dir fordert, sondern Dir gegen alle Deine Bedenken sagt: Gott ist da. Und Gott bleibt in Deinem Leben.

 

Unsere Kirche und viele Orte der Welt sind heute erfüllt von: „Fürchte dich nicht!“. Das ist kein Aufruf an Dich, doch endlich mutiger zu sein für das, was Dir wichtig ist. Sondern es ist die Botschaft: „Ich bin da“. In der Weihnachtsgeschichte sind ganz unterschiedliche Menschen füreinander da. Engel sind für uns da. Gott ist für uns da. Seht und glaubt, was diese Geschichte uns zu verkündigen hat: Große Freude, aus der ich mutig lebe.

 

Sprecherin liest das Weihnachtsevangelium: Es begab sich aber zu der Zeit…

 

Fotocredit: Friederike Erichsen-Wendt

 

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