Konfirmierend gepredigt.

Zum Sonntag Jubilate 2017

Und zu diesem Text: Gen 32, 23-32

Mitten heraus gepredigt. In ehedem achtundzwanzig Einzelszenen.

 

 

Zwischen Dem-hier-Jetzt und dem, wie Du Dir das Leben wünschst, ist ein Fluss.

Dort steht einer. Er heißt Jakob.

Er ist einer der Urahnen unseres Glaubens.

Eine Geschichte von vor tausenden Jahren.

Und immer weiter erzählt, weil sie etwas Grundsätzliches über unser Leben und unseren Glauben schildert.

 

 

Wenn Du an einem solchen Fluss stehst, wo Du weißt: Das wird schwierig. Da zieht es Dich weg. Da wird es nass. Und vielleicht auch kalt. – Wenn Du dort stehst, tritt Dir einer gegenüber. Du bist nicht allein. In dieser Nacht, wenn alles, was Dir wichtig ist, schon in Sicherheit gebracht ist, auf die andere Seite des Flusses: Die Menschen, die Dir lieb sind. Deine guten Gewohnheiten. Deine Gaben, Deine Stärken, Deine leuchtenden Augen.

 

 

Jetzt stehst Du da. Und einer tritt Dir gegenüber. Und Ihr kämpft. Ihr ringt. Du weißt nicht, was richtig ist. Aber Du willst gewinnen. Du willst leben. Und Du weißt nicht so genau, wer das ist.

 

 

Wer weiß auch schon genau, wer Gott ist? Gott allein weiß das. Wir alle ringen um Gott.

 

 

Und Gott tritt uns gegenüber.

In all der Unsicherheit,

in all den Scherben, in denen Du lebst,

wünschen Menschen sich den Glauben und die Kirche als einen Hort der Sicherheit, als einen Ort der Geborgenheit.

 

 

Und dass Menschen es hier einander gut machen können,

ist eine ganz wertvolle Ressource.

 

 

Und viele sagen: Segen ist etwas Gutes. Ein guter Wunsch für Dich.

Und wir haben das Bild von den Engeln, die Dich behüten auf all Deinen Wegen.

Und wir müssen ja auch glauben, dass Gott es so meint, weil Gott uns wollte und geschaffen hat.

 

 

Nicht nur die am Anfang des Lebens, sondern uns alle, die wir mit so viel Zuversicht, aber auch so viel Narben und Wunden durchs Leben gehen.

Und doch tritt Gott uns gegenüber.

Engel ringen auch mit uns, nicht nur um uns.

Da ist etwas Widerständiges im Glauben.

Und dieses Widerständige ist nicht nur, dass Viele heute hier sind und einen Widerstand darin merken, nicht einstimmen zu können in die Traditionen unserer Kirche. Die für sich sagen: ich glaube das nicht, ich bin irgendjemandem zuliebe heute hier. Es ist eben nicht nur dieser Widerstand, mit der Tatsache, einen Glauben nicht für sich zu bekennen, umgehen zu müssen.

 

Sondern: Es ist ein Widerstand im Glauben selbst.

Gott tritt mir gegenüber.

Gott wird dem Jakob dort in der Nacht, am Fluss, am Zwischen, zum Feind.

Zwischen Nacht und Tag, dem Alten und dem Neuen.

 

 

Hier. Und dann: Dort.

Dazwischen:

Einer, der nicht sagt, wie er heißt.

Eine, die einfach vorübergehen will.

Eine, die den Morgen fürchtet.

Die weiß: Es gibt ein Zu-spät.

Jetzt ist die Zeit.

Eine, die Dir zum Feind wird.

Bis es sich lichtet.

Und eine dauernde Lichtspur

Sich Dir eingeschrieben hat.

Unauslöschlich.

Wie die Narbe aus Kindertagen.

Das: Nicht-Hier und Nicht-Dort,

Nicht-mehr und Noch-Nicht

ist der Ort,

an dem einen Namen bekommt,

was Dein Leben beansprucht.

Ich habe Gottes Angesicht gesehen.

Und ich lebe noch.

Jakob geht vorüber.

Die Sonne geht auf.

 

 

Jakob und der Andere sind gleichstark.

Gott ist nicht übermächtig.

Wenn man einander gleichstark ist,

denkt mal an Eure Rangeleien,

an Auseinandersetzungen,

an Diskussionen mit Freunden oder in der Familie,

wenn man gleichstark ist,

braucht man die größte Aufmerksamkeit.

Jede Kleinigkeit kann entscheidend sein.

So auch hier.

Und dieses Ringen legt eine Spur in Jakobs Leben.

Er wird hinken, erzählt die Geschichte.

Er trägt eine Narbe davon.

Und einen neuen Namen.

Israel – Gott möge kämpfen.

Jakob weiß, mit wem er es zu tun hat.

Und Jakob lebt.

Dieses beides trägt der Kampf aus.

Und er hat einen neuen Namen.

 

 

Gott kämpft. Durch Segen.

Der Gott, mit dem Du kämpfst, segnet Dich.

Das vergiss nicht.

Bittebitte, liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden,

liebe ganz Erwachsene,

die Ihr kämpft,

oder die Ihr vielleicht sogar verlernt habt,

um den Glauben zu kämpfen,

vergesst das nicht:

Der Gott, der um Dich ringt, segnet Dich.

 

 

Mit den Namen, die über Euch gesagt sind in der Taufe:

Emelie, die Eifernde,

Luisa, die Starke,

Vivien, die Lebendige,

Marlon, schnell wie ein Falke,

Celina, wie der Himmel,

Kai, ein Kämpfer,

Nele, umglänzt,

Marlen, ein Geschenk Gottes,

Sophie, voller Weisheit,

Lisanne, weil Gott einen Schwur für Dich abgelegt hat,

Lenn, der Entschlossene,

Sarah, die Fürstliche,

Philipp, ein Freund,

Laura, die Siegreiche

Und Johanna, denn Gott ist gnädig.

 

 

Ums Kämpfen reißt sich niemand.

Man kann dem aus dem Weg gehen.

Jakob hätte ja mit seiner Familie und all seinen Dingen über den Fluss gehen und weitergehen können.

Dieses Zwischen nicht aushalten.

Denn es ist ja anstrengend,

sich dem auszusetzen.

 

 

Ihr habt das bislang nicht getan.

Ihr habt Euch im Konfirmandenunterricht mit dem Glauben auseinandergesetzt.

Jede und jeder auf seine Weise.

Ihr habt Euch auf ganz unterschiedliche Situationen eingestellt.

Wir haben viel Spaß gehabt.

Und das ist gut so.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass Ihr uns getraut habt. Auch, wenn Ihr nicht so recht überzeugt wart, dass es jetzt gut ist, das Eine oder Andere zu tun, habt Ihr es versucht. Das war ganz groß. Auch für uns – für mich als Pfarrerin dieser Gemeinde, für die Konfipatinnen und die Konfiteamer.

 

 

Und mancher oder manchesmal gab‘s auch was zu kämpfen. Manches davon habt Ihr gezeigt. Anderes habt Ihr mit Euch ausgemacht. Manches habt Ihr vielleicht selbst gar nicht mal gesehen.

 

 

Manche Mutter, mancher Vater, mancher Pate hat sich auch gefragt: Ist mein Kind soweit? Kann und will ich ihm das zumuten? Was entgeht ihr, wenn sie nicht dabei ist?

 

 

Wir entscheiden uns, ob wir den Glauben bekennen, in den hinein wir getauft sind. Ihr entscheidet Euch öffentlich heute, aber jede und jeder von uns, auch Ihr, auch ich, entscheiden sich jeden Tag mit dem, was wir denken und tun, ob wir unseren Glauben im Leben bekennen oder nicht.

 

 

All dies war und ist kein notwendiges Übel. Es gehört dazu. Dieses Ringen, Kämpfen, Zweifeln, In-Frage-Stellen. Und es ist auch nicht vorbei, weil Ihr heute eingesegnet werdet und eine Urkunde erhaltet.

Aber heute macht Ihr öffentlich, dass Ihr Euch dem stellt. Ihr sagt „Ja.“

 

 

Ich glaube, dass es im Leben wichtig ist, sich dem Glauben zu stellen und sich zu fragen, wie man sich eigentlich dazu verhält.

Ihr seid damit nicht allein. Eure Familien sind da. Eure Freunde. Oma und Opa. Diese Kirchengemeinde. Sie ist heute da und sie ist immer da. Dieses unglaubliche Kirchgebäude. Ein Raum zum Feiern und Beten, für Stille und Hören auf Gottes Wort.

 

 

„Say yes“ steht vorn auf dem Liedblatt. Ja zum Glauben zu sagen, das hat in unserer gemeinsamen Zeit im letzten Jahr eine Rolle gespielt.

Wie geht das? Wie gelingt das? Heute sage ich: Im Ringen um den Glauben sagen wir Ja. Fordern von Gott Segen ein.

Von weitem betrachtet sieht das Signet aus wie eine unverständliche Hieroglyphe. Erst, wenn wir ein zweites Mal hinschauen, wird es deutlicher: Ja – in allem Ringen.

 

 

Wir schauen hin, in der Gemeinschaft der Getauften. Auf so viele einzelne Fragen, die uns bewegen. Deshalb wird in dieser Kirche – gottlob – regelmäßig Gottes Wort predigend ausgelegt. Damit wir wissen, worauf unser „Ja“ gründet.

Und Gott lässt sich sehen. Und wir leben weiter. Als Gesegnete.

 

 

Das Geschenk, das Ihr heute von der Kirchengemeinde erhaltet, ist ein Symbol dafür: Für diesen Schutz, für diese Wärme, die Du brauchst, in dem Moment, bevor die Sonne aufgeht.

 

 

Amen.

 

 

Fotocredit: Friederike Erichsen-Wendt

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