Ein Produkt. 4 Dinge

für: „8. Internationales Bugenhagen-Symposium. Predigt in Akademie und Atelier – Wie dramaturgisch ist die Homiletik?“, 7.-9. März 2018 in Braunschweig.

 

„Predigen, Predigtlehren und wohl auch Predigthören braucht Visionen.“ Geklauter Einstieg, ob man Autoren namentlich nennen darf? Schauen Sie in ein 160seitiges Buch auf Seite 149: Ausblick, bis 151 übrigens, anschließend Literatur, Nachtrag, Liste. Ausblick also, aus Atelier and Akademie.

 

Jeder beginnt mit biografischen Einstiegen. Wohl nicht umsonst. Ich nicht. Außer, dass mir an Atelier und Akademie wohl das „und“ am vertrautesten ist. Ein guter Ort, dieses Dazwischen. Nice Place, sagen wir auf dem Campus in Hofgeismar.

 

Ding 1.

Eine Welt, in der alles Platz hat. Alle Dinge. Selbst die, denen Fremdes irrelevant gilt. Wenn wir uns dies vorstellen – kann es wahr werden? Die Dinge entscheiden keine Kontroversen, sondern rufen neue hervor. Nähmen wir mal an, nur für gerade und jetzt, Rhetorik und Rezeptionsästhetik reichten sich die Hand: Welche neuen Fragen rufen, wenn Text für sich, für Dich, für mich gemeinsam am Bistrotisch stehen?

Sie rufen heraus, provozieren, falten die Welt so, dass wahrhaft Neues entsteht. Inmitten dieser Fragen entstehen Verbindungen, Fäden, Netze – verbunden, gehalten, verstrickt.

 

Ein Familientreffen eben. Verstrickt gehalten. Von Fragen, Leuten, Texten, Erzählungen, Methoden, vielen schwarzen Mänteln, Altarbildern, Klaviersonaten, Kanzelstufen, Liturgien, Sprachen, Rotwein und Schwarzbrot. Und schließlich sogar Pudding.

Aus verschiedenen Gründen haben sie sich zusammengefunden.

In Bruno Latours Parlament der Dinge sitzen sie alle da, manche ruhig, manche impulsiv, doch jedes hat eine Stimme: Fragt an, würdigt, lockt Impulse hervor.

Alle mit Geheimnissen. Und alle im Geheimnis.

Familienähnlich.

 

Und Johannes, der mit all dem die Kirche ordnete, sitzt dort oben in der Stube – natürlich nicht wörtlich, sondern genau dort, wo das Wort dann zu Wörtern gerinnt. Und er schreibt, was er sieht und was sich webt, flüchtig zerbrechlich und reißfest, in Gottesworte.

 

Ding 2

Die Vorhaben der Fraktion Mensch. Was sollen wir getan haben?

Wissenschaftsfolgeforschung.

Pfarrhausmusiksoziologiebetrachtung.

Kleine Feier, mit Humor, ohne Festschrift, großes Symposium.

Buchwirkungen beschreiben.

Vor allem Männer reden über Predigten von vor allem Frauen.

Und streitet nicht um des Kaisers Bart!, rieten schon die Altrömischen.

Sucht die Gräber nicht dort, wo sie nicht zu finden sind.

 

Wir suchen Schnittstellen.

Interfaces, inter facies.

Austausch zwischen den beiden Seiten, die die Dinge einander zugewandt haben.

Wechselspiele zwischen Worten und Schaumstoff, Kohlenstoff und Texten, Digitalität und Ungesagtem.

Der Rest ist black box. Geheimnis.

Das ist bestimmt. Und der Rest ist offen.

Der Raum ist da. Und er ist begrenzt.

Gibt es ein With-in ohne With-out?

Ich schlage ein „Und-Paradigma“ vor.

Heiliger-Schrift-Raum mit einem Innen, das ein Außen nicht notwendig erfordert –

Um zu locken, zu bewegen, zu trösten, zu verstören, zu mahnen, zu verheißen.

Roadmovie auf Kanzeln und Kanzelrede on the roads. Mehrheitlich den ganzen Gottesdienst im Gepäck – mal so, mal so. Da ist auch noch Einiges zu klären.

Ob’s gelingt? Wenn denn eine ahnt: Es bringt sich ins Spiel, was uns spielen lässt. Notwendige Gelingensbedingung der Predigt: Gott.

Ob das hinreichend ist, bleibt strittig. Notwendigerweise?

Predigtmachen jedenfalls beschrieben in der Puffreiszone, zwischen todernst und heiter, manchmal humorvoll als Kehrseite des Erhabenen.

Kollegiale Beratung, anarchisch demokratisiert. Die Workshopleiterin aber sagte (sinngemäß jedenfalls): Nimm Deinen Seminarstuhl und geh: In den Garten im Herzen, auf die Märkte, an die denkmalgeschützten Bahnhöfe und in die Predigerseminare: Gibst Du mir Deinen Move? Ich geb Dir meinen. Handwerk verstehen.

Predigtlehren mit Methode, und ehrlich eingestandener Luft nach oben.

Predigthören im

 

Zitat: „Quartett wird meist mit einem Paket spezieller Motivkarten gespielt, … mit dem Ziel …, Zusammenhänge und Inhalte zu lernen. Es ist aber auch möglich, mit traditionellen Spielkarten zu spielen.“ Mischen, verteilen, erhalten, beginnen, fragen, herausgeben, fordern, offenlegen, gewinnen.

 

Und Vikar B. sitzt dort oben in der Stube und sucht, nach dem, was einander zugewandt ist und sich ins Bild setzt, angesichts des Geheimnisses. Auch das: Ein alter Brauch. Flüchtig zerbrechlich und reißfest, oft ringend.

 

Ding 3

Spielst Du eine Partie Bibel mit mir?

Schnittstelle Spielzone, konventionell erwachsenenpädagogisch gesagt: Lernzone, zwischen Komfort und Panik.

„Ich habe eine Predigt und muss die jetzt besprechen.“

„Ich habe noch keine Predigt und will mit Dir darüber sprechen.“

Predigen macht verletzlich oder es ist keine Predigt, weil der gnädige Gott auch „Nein“ sagen kann.

Selig, der sich nicht selbst verteidigt in seiner Angst vor der Theologie oder seiner Angst vor der Kirche, sondern

Dies eine hätte ich jedenfalls gern und zweierlei frage ich:

Woher diese Angst?

Und: Welche Vortragshermeneutik erzeugt eigentlich welche Wirklichkeitshermeneutik?

Diese Fragen hängen zusammen, doch das deute ich hier nur an.

 

Pfarrerin B. jedenfalls sitzt dort oben in der Stube und schreibt, oder schreibt nicht, blättert in Büchern und Leben und sieht dann und wann und plötzlich neu. Flüchtig zerbrechlich und reißfest fallen Wörter. Das Wort bleibt. Aus.

 

Ding 4

So gar nichts weiß ich über Dich. Du sitzt am Nebentisch, trinkst vom gleichen Kaffee und liest in anderen Büchern. Bist Du eigentlich einer dieser „Hörer“? Verstehe ich Dich aus dem Text – nur aus dem Text?

Wo sind die genuinen Orte, wo gehört werden will und soll und kann – und sehen wir diese Orte überhaupt angesichts unserer mehr oder minder expliziten Maßstäblichkeit der Kanzelrede?

Hörer und Orte zwischen Unsichtbarkeit und Verwertungslogik. Verschonen for Response. Seht sie und schont sie. Um unserer selbst willen. Schonen und schön sind nicht nur etymologisch Schwestern. Als seien die Dinge eingewickelt in ein Netz gottgewollter Dinge. Flüchtig zerbrechlich und reißfest. So viele Dinge seien vorbei, und doch sind sie ja da. Manche Hinterbänkler, manche irgendwo dazwischen, diese Theorien, die Vielen so lieb sind. Was bedeutet das eigentlich? Assortiert statt Aussortiert, annotiert und adaptiert.

Ach, wenn die Welt doch voller kleiner Etüden des Erzählens wäre! Vorübungen für Wunder versuchen. Das ist dann ganz einfach.

 

Dass es einmal „so spannend, so poetisch, so voller Prophetie, so mittendrin im Ereignis des Wortes Gottes (ist), dass selbst sechs dichte Wochen dafür nicht genug wären“ (ebd., letzte Seite). Ja, lieber Herr Nicol, sechs Wochen reichen dafür nicht. Es geht weiter.

 

 

Fotocredit: Friederike Erichsen-Wendt (Atelier [Detail], 2018)

 

 

 

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