„Danke“ zum Geburtstag

„Danke“ bleibt ein Hit. Vermutlich gibt es nur wenige evangelische Christenmenschen in Deutschland, die das Anfang der 1960er erfundene Lied aus der Feder von Martin Gotthard Schneider nicht kennen. 

Wenn ich heute mit Jugendlichen sammele, wofür sie dankbar sein könnten im Leben, tue ich es genau so: Zeilenweise steht „danke für“ – und dann wird ergänzt. Halbsatzmethoden prägen Haltungen ein und lassen dem Geist freien Lauf für das, was Anlass zum Danken ist. Als Schneider das Lied komponiert, ist er als Religionslehrer tätig. Er sucht sich eine Erwerbsarbeit, mit der er Wort und Klang verbinden kann. Denn mit 27 Jahren hat er nicht nur bereits das Erste und Zweite Theologische Examen in der Tasche, sondern auch die A-Prüfung in Kirchenmusik bestanden. 

Ein didaktisches Lied also. Es regt zum Weiterschreiben an. Neben den sechs Strophen, die im Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs stehen, gibt es Strophen zu Taufen, Trauungen, Ehejubiläen und für Trauerfeiern. Neben „Danke“- gibt es auch „Bitte“-Strophen, vermutlich insgesamt ungezählte. 

Ein didaktisches Lied, aber nicht nur. Ein Lied, das eine so grundlegende Befindlichkeit von Menschen anrührt, dass auch dies seine weite Verbreitung erklären mag. 

Die 86. Frage des Heidelberger Katechismus sagt es so: „…warum sollen wir gute Werke tun? Weil Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, dass wir mit unserm ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erzeigen und er durch uns gepriesen werde. Danach auch, dass wir bei uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiss seien und mit unserem gottseligen Wandel unsere Nächsten auf für Christus gewinnen.“

Dankbarkeit zeigt an, dass wir im Grundsätzlichen auf Nichts im Leben ein Recht haben. Nichts ist selbstverständlich. Dankbarkeit ist eine Folge der Haltung, nicht leben zu können, ohne auf etwas bezogen zu sein: Den Wechsel von Morgen und Abend, Tag und Nacht. Mit dem, was mich bewegt, nicht allein bleiben zu müssen: Deshalb die Dankbarkeit gegenüber Freunden, Feinden und Jedermann. Das Tätigsein und das, was es auslöst an Frohem, Hellem und an Traurigkeit. Die Worte, die wir hören, Rat, Verstehen, Geistbegabung und Heil, das über die eigenen Grenzen hinausreicht. 

Wer sich in einem anderen Sinne als daraus abgeleitet als autonom versteht, macht den Dank zu einer Benimmregel, die moralischem Urteil unterliegt. 

Durch Dankbarkeit wissen Menschen viel. Deshalb gehört Danken zum Guten Leben. Menschen erkennen in Dankbarkeit, dass ihnen Leben, Sprache und Fürsorge zuteil geworden ist. Sie erkennen Reichtum, an Vielfalt, Schönheit und Ordnung; Erfindungen des menschlichen Geistes und Innovation. 

Es gibt keine Pflicht zur Dankbarkeit, weil der ihr zugrundeliegende Zusammenhang auf einer Einsicht in den Zusammenhang von menschlicher Existenz und ihrer Verbindung zu den Gütern, die sie umgeben, beruht, die selbst auf göttliches Geistwirken zurückzuführen ist. 

Allerdings muss auf einen Teil guten Lebens verzichten, wer darauf verzichtet, dankbar zu sein. Denn so nimmt die Bereitschaft ab, zu teilen, was alle ohnehin nur empfangen haben (Dorothee Markert).

Martin Gotthard Schneider wird in Konstanz geboren und wächst in Kriegsjahren heran. Die Erfahrung des Unselbstverständlichen prägt ihn, und wohl auch das Bewusstsein des Überwesentlichen, das er vor allem in der Musik findet, die ihm schon früh vielfältiges Ausdrucksmittel ist. „Danke“, in Form zeitgenössischen Sacropops komponiert, bald von der Punkband „Die Ärzte“ gecovert und so mehrere Wochen in den deutschen Charts, ist von Beginn an auch belächelt. Dieses Lächeln hält an. Das Lied ist einfach. Es hat eine unmissverständliche Botschaft. Eine, die es denen, die das Lied singen und hören, einfacher macht, am guten Leben teilzuhaben. 

Martin Gotthard Schneider wird heute 85 Jahre alt. Danke für dieses Lied, Herr Schneider! 

(few 4/15) 

 

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